A. Merkel (Bundeskanzlerin 2005-2013)

A. Merkel
(Bundeskanzlerin 2005-2013)

Ich bin von klein auf mit Computern und dem Internet in der einen oder anderen Form aufgewachsen. Ich kann mich beispielsweise noch an den C64 und das Modem erinnern, dass mein Vater in meiner frühen Kindheit nutzte, um per Telefonhörer mit einem Bekannten zu kommunizieren, der nur ein paar Blocks weiter wohnte.

Viele Erinnerungen habe ich auch noch an meinen Amiga und die Stunden, die ich allein und mit Freunden davor verbrachte umso aufregende Spiele wie Double Dragon, Turrican oder Duck Hunt zu spielen, wobei letzteres vermutlich der Ururgroßvater der Moorhun-Spiele darstellt. Es war auch der Amiga, auf dem ich meine ersten literarischen Versuche startete, von den künstlerischen auf Pixelbasis mal abgesehen und vermutlich ging mein erstes Taschengeld tatsächlich für Leer-Disketten drauf.

Unter einer Festplatte stellte ich mir einige Zeit lang etwas wie einen Plattenspieler vor, der seine Platte eben mit neuen Daten beschrieb, die man dann nach Belieben wieder abspielen konnte. Der nächste PC wies dann tatsächlich ein solches Speicherdings auf und damit sogar noch weitaus mehr Möglichkeiten als der Amiga. So wurden die grobkörnigen Joystick-Ballerspiele Schritt für Schritt durch grafisch unglaublich realistische Point&Click-Adventures a la Indiana Jones, Monkey Island*, Leisure Suit Larry, Loom, Day of the Tentacle, Simon the Sorcerer oder Gobliiins ersetzt. Nicht, dass in dieser Zeit nicht rumgeballert wurde. Ich erinnere da nur mal an Wolfenstein, DoomRise of the Triad oder Duke Nukem 3D.

Doch schon zeichnete sich das World Wide Web am Horizont ab. Das erste Modem entlieh ich der Kölner Stadtbibliothek, deren Internetzugang ich lange Zeit rege nutzte (vorausgesetzt die Nachfrage war mal nicht zu hoch und die Warteliste nicht wieder meterlang). Anschließen, Installieren und… DAS war der Sound der Zukunft. Computerfreak2000! Yeah!
Klar lief das damals noch alles über die Telefonleitung der Post und Flatrates waren ein völlig unbekanntes Konzept, was uns jedoch nicht daran hinderte miteinander zu wachsen.

Auch die Schule schrieb es sich auf die Fahne, die Elite der Zukunft in die Möglichkeiten des Webs einzuweisen und so brachte uns ein Besuch im noch recht jungen Mediapark einem weiteren interaktiven Phänomen näher: Dem Chat!
Das Chatten wurde zu einer Sucht und chatteten wir nicht in den wenigen Stunden die Woche, wo der Netzzugang nicht vom Feierabendverkehr oder einem dringenden Telefonat blockiert war, steckten wir uns im Unterricht Zettel zu, auf dem wir eine Art Analog-Chatroom simulierten.

90er-Jahre-AOL-CD

Wer damals z.B. AOL-Kunde wurde (vermutlich aufgrund der Werbe-CDs mit zeitbegrenztem Gratis-Webzugang) konnte seinerzeit noch aktiv an der Entstehung der eigenartigen Sonderzeichen-Gesichter : ) und Chatkürzel *rofl* teilnehmen und per AOL-Chat mit Gesprächspartnern auf der ganzen Welt kommunizieren; allein oder auch in Gruppen.
Immer mehr rückte jetzt die Nutzung des Internets, nicht nur als Zeitvertreib, sondern als Mittel zur Informationsbeschaffung, vor allem in der Schule, in den Vordergrund und wer hat nicht selbst einmal einfach einen Artikel aus diesem Wikipedia-Dingens kopiert und bei Abgabe gehofft, dass diese Seite der Lehrperson unbekannt war?
Als nächstes erfolgte der Startschuss für das Web 2.0 und seit dem rückt die Welt immer näher zusammen. Wir sind vernetzt, machen Networking und Socializen heutzutage und verschwenden kaum einen Gedanken daran, dass es auch heute noch Menschen gibt, deren Kontakt mit unserer virtuellen Welt, sich willentlich oder unfreiwillig auf die Bedienung von Bankautomaten beschränkt.

Für uns ist das Netz längst zur Heimat geworden, wir nennen uns Digitale Ureinwohner und die Hinzugezogenen großzügig Digitale Immigranten, aber nur selten bringen wir die Geduld auf, ihnen den Einstieg in unsere erweiterte Realität zu erleichtern, die sich allein hier nicht zurechtfinden und oft schnell aus Frust und mit dem Ausspruch aufgeben, dass man das alles früher ja auch nicht gebraucht hat.
Ich bin der Überzeugung, dass sich nur derjenige mit Stolz als wahrer Ureinwohner des Digitalen betrachten darf, wer sich den Wahlspruch „mit großer Macht kommt auch große Verantwortung“ zu Herzen und zum Anlass nimmt um beispielsweise seine Großmutter in die Kunst des Simsens einzuführen oder seiner Mutter den Computer internetfähig und sicher zu machen.

Wir sind die Fährtensucher und Führer in diesem Neuland und wer, wenn nicht wir, wäre besser dafür geeignet? Zusammen können wir eine ganz neue Welt erschaffen, in der nicht nach digital oder analog, nicht nach Herkunft, Glauben oder Geschlecht unterschieden, sondern als Mensch akzeptiert wird, wer in ihr lebt. Wir haben die Verantwortung aber ebenso die Möglichkeiten, der Menschheit den Weg zu weisen, in eine reifere, einige und tapfere neue Welt.

Zum Abschluß noch etwas Kitsch:

A whole new world
That’s where we’ll be
A thrilling chase
A wondrous place
For you and me

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